Augen.Blick.Raum


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Mai/Juni

Fund des Monats > 2026

Die wahrscheinlich früheste Veröffentlichung zu den Eigenheiten des Zugfensterblicks, gefunden in der englischen Zeitschrift „PUNCH“ Vol. 9 -1845, S.14. Hier übersetzte Auszüge aus dem 180 Jahre alten Bericht, die Verfasser fuhren damals vorgeblich schon mit fast 100km/h :

VIEWS ON RAILROADS

Da wir uns nie ohne einen Blick für das Malerische auf Reisen begeben, nahmen wir unser Skizzenbuch mit, in der Absicht, während einer unserer jüngsten Bahnfahrten Ansichten der Landschaft festzuhalten. Wir wissen, dass das Betrachten der Landschaft zu den
größten Freuden des Reisens zählt; daher rüsteten wir uns sowohl mit einem Fernrohr als auch mit Zeichenutensilien aus, um die Naturschönheiten in vollen Zügen zu genießen und sie sogleich auf dem unvergänglichen Zeichenkarton zu verewigen.
Leider wurde uns jedes Mal, wenn es uns gelang, einen Blick auf etwas zu erhaschen, das wir für wert hielten, für die Ewigkeit festgehalten zu werden, dieser Anblick sogleich wieder entzogen; denn kaum hatten wir begonnen, einen Gegenstand zu betrachten, da rückte plötzlich ein neues Objekt – das zuvor noch dreißig Meilen entfernt gewesen war – unmittelbar vor das Wagenfenster und verdeckte alles andere, worauf unsere Augen zuvor geruht hatten […].
Der Hintergrund aus friedlichen Wiesen wurde wie durch Zauberhand vom rauchenden Schornstein einer kreischenden Lokomotive durchbrochen, während Schuppen wie in einem beweglichen Panorama auf Schienen an einem vorüberzogen – mit einer Geschwindigkeit von sechzig Meilen in der Stunde. Nachdem wir gehört hatten, dass sich etwa zwanzig Meilen von London entfernt ein
wunderschönes Stillleben befand, beschlossen wir, jeden günstigen Moment zum Skizzieren zu nutzen. Die Sonne stand strahlend unter dem Horizont, wir meinten, das Wetter habe sich mit der Natur verschworen, um diesen Ort noch reizvoller zu gestalten –
doch ach! Der Schnellzug fuhr in einem derart raschen Tempo, dass die folgende Skizze die einzige war, die wir anfertigen konnten.



[…] Der Meilenstein im Vordergrund, der tapfer der glühenden Hitze der Julisonne trotzt, erzählt seine Geschichte auf reizvolle Weise durch den Schatten, den er wirft. Ein üppiger Hintergrund aus Wildgras zeugt von der ungezügelten Pracht der Natur, und die gesamte Szene strahlt eine herrliche Ruhe aus, die dem Geist wohltuende Erholung bietet […].



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